da saß ich also am gate 21 des budapester flughafens und hab mich gewundert, warum meine maschine auf einmal nach pristina fliegen sollte, als mir klar wurde, daß malev, die ungarische fluggesellschaft klammheilmlich das gate der kiev-maschine geändert hatte... schon rannte ich also zum gate 28, um erleichtert festzustellen, dass alle noch in der schlange warteten...
im flieger ließ ich mir erstmal ne kopfschmerztablette geben, die mir das rumstehen und aufs taxi warten am morgen beschert hatte. meine sitznachbarin stellte sich als nathalia vor. wir kamen ins gespräch und sie erzählte mir, daß sie für open society international arbeitet, eine US-non-profit-organisation... sowas klingt immer total erfrischend, wie ich finde. außer, daß ich da immer auch so ein komisches gefühl habe, dass es sich um abm-maßnahmen für arbeitslose westler handelt. nehmen wir mal die welternährungshilfe der UN: eine freundin von mir war die sekräterin von einem der oberen herren in rom. ihr gehalt von etwa 4000 DM damals war schon beeindruckend für eine sekretärin, aber den vogel schoß ihr vorgesetzter mit 40.000 DM pro monat ab! HALLO!!??? dazu kamen dann nur first class flüge in die weite welt und 5 sterne hotel aufenthalte. dabei sinnierte man über die probleme der afrikanischen kinder... sehr nobel...
ich glaube die UN an sich ist ein abzockverein... das geht auch bestimmt in den anderen bereichen genauso, nur dass ich das nicht genau weiss...
wie auch immer, nathalia war die flugangst anzusehen und so versuchte ich sie mit einer konversation abzulenken. sie lebt in budapest und fliegt quer durch die welt... sie hat mich etwas zugetextet mit gott und der bibel, normalerweise hasse ich das aber bei ihr kam das nicht so missionarisch rüber, auch wenn sie mich eindringlich gebeten hat, mich beim lieben gott für meine (doch beachtlichen) sünden zu entschuldigen. ich erzählte ihr dann von kolumbianischen killern, die nach getaner arbeit einen teil ihrer gage beim örtlichen pfarrer abgeben und offiziell vergebung erhalten... das wiederholt sich dann regelmäßig, je nach bedarf und auftragslage... das würde natürlich nicht gehen, weil bla bla bla...
die ankunft in kiev lief relativ problemlos ab, der gelangweilte offizier an der passportkontrolle war mehr mit seinem feierabend beschäftigt, vermute ich. jedenfalls schaute er ständig auf seine armbanduhr... auf die frage, welche adresse ich ansteuere, antwortete ich wahrheitsgemäß mit “keine ahnung”. er : “KIEV?” und ich “DA!”
schwupps war ich draussen. marika, die promoterin des saxon clubs und ihr fahrer oleg standen gleich vorne, sodass wir sofort ins auto richtung kiev fuhren... der flughafen ist nämlich 12 kilometer außerhalb von kiev. wie sooft in ehemaligen warschauer pakt staaten reihten sich häßliche sowjet wohnsilos aneinander. einen hauch häßlicher als marzahn. ich habe da sofort assoziationen mit kommerzieller hühnerhaltung. drinnen sollen die aber nicht so schlimm sein.
das hotel war okay, eher unteres niveau aber ich gebe da nicht viel drauf. saubere bettwäsche reicht mir für die paar stunden, die ich üblicherweise mich drin rumwälze. an tiefen schlaf brauche ich gar nicht denken. nach dem check in ging es gleich weiter zum club forsage, wo ich fürstlich zu essen bekam, salat, suppe und einen steak mit pilzsoße... ich habe mir meinen apettit auch vom 120 km entfernten tschernobyl nicht verderben lassen. pilze sind ja bekanntlich besonders belastet.
das mit tschernobyl scheint auch ein wunder punkt zu sein. auf die frage, ob man noch die folgen der kernschmelze zu spüren bekommt, reagierte marika leicht gereizt und erklärte die weltberühmte schönheit der ukrainerinnen zu einer der folgen des supergaus.
nach dem deftigen essen ging’s zurück ins hotel, wo ich mich eigentlich nochmal mit den neuesten tracks befassen wollte, aber relativ schnell in einen unruhigen schlaf fiel. Mitten drin stand ich nur mit shorts bekleidet an der tür und habe panikartig minou gesucht. Wo verdammt noch mal hatte ich sie bloß gelassen? Voller erleichterung stellte ich fest, daß ich mal wieder schlafgewandelt war und legte mich wieder hin. Und schon klopfte es an der tür , wo marika etwas ungeduldig auf mich wartete. Ich muss den wecker ausgeschaltet haben und so musste ich mit verschlafenem blick in den club. Es hat mich etwas geärgert, denn ich finde das unprofessionell und es passiert mir äußerst selten. Der club war ein typischer club, wie man den in solchen ländern findet: drei etagen, zwei dancefloors. Eins mit R&B und der mainfloor mit electronischer musik. Die anlage war super fett und imgegensatz zu deutschland musste man nicht um zwei vernünftige cd spieler beteln, die standen wie selbstverständlich da. Ich frage mich, wann die deutschen und insbesondere die berliner endlich ins digitale zeitalter aufbrechen wollen... VINYL, VINYL, VINYL... Ich kann das nicht mehr hören!
Der freundschaftliche empfang durch marika und ihren freudn sascha (die heissen alle sascha oder serjoscha!!!) war dann auch mitverantwortlich dafür, dass ich wirklich ein gutes set hinlegen konnte. Ich bin 80% der zeit unzufrieden mit meinen sets aber diesmal lief alles wie am schnürchen. Vielleicht lag es aber auch dran, daß ich zu alkohol genötigt wurde... ;-))))
Da sie mein lieblingsdrink hemmingways nicht kannten, erklärte ich marika kurzerhand, was da alles reinkommt. Und wie das schicksal das so wollte, tranken wir gemeinsam die ganze nacht die leckeren drinks und waren guter dinge... Erst am ende kamen die mit etwas namens “mexikanski” um die ecke und nach dem ersten musste ich sofort die weisse flagge hissen. Au weia, noch eins und ich hätte wie motte ein paar wochen vorher einen bellydance par exellance hingelegt!
Der dj nach mir, dj light, kam mit weissem anzug und sonnenbrille ums eck und war etwas schleimig... Er war etwas überbegeistert ob unserer zusammenkunft. Er erzählte mir aber auch, was für ein toller hengst er ist nd wo er alles so auflegt in kiev und nächsten monat in sharm el sheikh. BITTE! Wenn ihr dj’s seid und andere dj’s trefft, nervt die nicht mit eurem monatsablauf, das interessiert nur äußerst bedingt...
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