Thursday, October 18, 2007

herbst in teheran

Es ist das erste mal seit dreiundzwanzig jahren, dass ich den herbst im iran ‎verbringe.als jugendlicher hab ich diese jahreszeit gehasst. Die dreimonatigen ‎sommerferien waren vorbei und man musste wieder zur schule. Mittlerweile ‎haben sich meine ansichten geaendert. Lernen zu duerfen ist ein privileg und ‎der herbst im iran traumhaft. Es sind angenehme achtundzwanzig bis dreissig ‎grad und nicht annaehrend fuenfzig wie im hochsommer. Es ist auch ein leichter ‎klimawandel zu spueren. Es gibt sogar im sommer regen, was vor ‎zweiundzwanzig jahren undenkbar gewesen waere.
ueberhaupt hat man als ‎besucher nicht gerade das gefuehl, sich mitten in der aches des boesen ‎aufzuhalten. Gestern waren wir im volkspark und Nicole war sehr verwundert ‎ueber die gepflegte schoenheit der anlage.auf dem weg dahin hab ich neue shops ‎von Benetton und sisley entdeckt, beide nicht gerade die inbegriffe ‎islam(ist)ischer ideen… aber damit hier nicht der eindruck entsteht, dass ich ‎meine heimat ueber den klee loben will, muss ich noch von der rueckfahrt vom ‎park erzaehlen. Denn hatte die hinfahrt noch fuenfzehn minuten gedauert, waren ‎wir auf dem rueckweg ueber eine stunde unterwegs, dank meiner exzellenten ‎beobachtungsgabe… ich war fuer einen moment der meinung, den weg zu ‎kennen und meine mutter schenkte mir auch noch (nacht)blind vertrauen. Das ‎ergebnis war eine zaehfluessige odyssee durch acht-spurig befahrene drei-spur-‎strassen.hier herrscht das gesetz des staerkeren mit dem dickeren untersatz. Mit ‎mamas kia pride befanden wir uns leider im unteren teil der nahrungskette und ‎kamen erheblich spaeter und versmogt an. Aber: auch hier tut sich etwas.die ‎regierung hat den spiritverbrauch pro person begrenzt auf einhundert liter pro ‎monat. Der literpreis betraegt paradiesische sieben cent!!! (gestern nacht war ich ‎mit meiner mutter extra nachts an der tanke und trotzdem mussten wir uns hinten ‎an die schlange stellen… dafuer hat einmal volltanken zwei euro siebzig ‎gekostet!) will man mehr fahren, muss man sich auf dem schwarzmarkt ‎bedienen und das vierfache bezahlen… fuer ein land mit den zweithoechsten ‎gas- und dritthoechsten oelvorkommen der welt reichlich absurd. Allerdings ist ‎der erzieherische aspekt dieser massnahme nicht zu verachten, denn die ‎menschen hier scheinen kaum ein gefuehl fuer umweltverschutzung zu haben. ‎So musste die regierung den kompletten oeffentlichen nahverkehr auf erdgas ‎umstellen und so ist die luft erheblich weniger belastet. Ausser man steckt in ‎einem dieser diabolischen gigastaus im feierabend verkehr!‎

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