Neulich habe ich shadi ghadiria getroffen, die ich in berlin kennengelernt habe. Sie war die erste kuenstlerin (von mehreren) aus dem iran, die von der rebellminds gallery eingeladen wurden und ich habe waehrend der ausstellung aufgelegt. Wie auch immer, ich wartete mit meiner schwester marjan vor einer gallery auf farzaneh, eine freundin von ihr, die dort ausstellt, als ein auto angehupt kam. Marjan meinte nur, "die meinen dich". Etwas perplex schaute ich ins auto und hab shadi wegen dem kopftuch kaum erkannt. Aber dann war die freude gross, da sie wirklich eine sehr angenehme zeitgenossin ist. Wir hatten uns schon fuer letzten Dienstag verabredet, sie wollte mich einigen kuenstlern aus Tehran vorstellen.
Dienstag um mittag rum bin ich dann ins buero von tehranavenue.com aufgschlagen und war sehr angenehm ueberrascht. Es haette auch mitten in berlin sein koennen. Oder eher Madrid, was das aussehen der beteiligten anging. Da ich redaktionssitzungen nur aus dem fernsehen (z.B. die bescheuerte focuswerbung) kenne, fand ich das sehr aufregend. Zumal alles auf farsi ablief und die leute sich nur so die meinungen gegenseitig an den kopf geknallt haben. Es ging um film und teatherkritiken und ich musste unweigerlich an eine passage in "PORNO" denken, wo nikki ueber filmwissenschaften und kritikerarschloecher sagt : "wir kriegen hier bloss beigebracht, wie man leuten, die ihren arsch noch hochkriegen und irgendwas machen, entweder ans bein pisst oder in den arsch kriecht" (originalauszug!). so sass ich da, verfolgte belustigt das geschehen und war damit beschaeftigt, mir das rudelverhalten und die hierarchie reinzuziehen.
Bemerkenswerterweise hatten auch hier, aehnlich wie in meiner familie, die frauen das sagen. Sehr selbstbewusst, eine nach der anderen schmoekernd, schmetterte parastoo irgendwelche einwaende von einem typen nieder, der danach nicht mehr viel gesagt hat. sehr interessant!!! Uebrigens hab ich persoenlich nix gegen frauen, die die hosen anhaben, hauptsache die wollen einen nicht mit ihren umschnalldildos in den ihr-wisst-schon-wohin penetrieren.
Ich musste mich zwischendurch noch kurz vorstellen, was ich so treibe, was ich will und warum ich da sitze. Das thema DJ ist sehr aufregend fuer die leute, weil es hier keine clubs gibt aber das verlangen danach extrem hoch ist…eine schweizer uni-professorin hat dann meine vorstellung mit ihrem auftauchen vorzeitig beendet, was mir ehrlich gesagt sehr gelegen kam, da mir der gespraechsstoff unaufhaltsam wie die oelvorraete des planeten auszugehen drohte. Nun war ihr uebersetzerin dran, ihr anliegen vorzustellen, was wiederum von dem naechsten unterbrochen wurde, der heillos zu spaet kam aber trotzdem mit begeisterung empfangen wurde. CHAOS!!! Aber irgendwie auch geil!
Susanne, die schweizerin war im gegensatz zu mir eingeschnappt, man haette sie nicht ernst genug genommen aber ich konnte sie beruhigen, dass das hier so n bisschen normal ist und keine abwertung ihrer arbeit darstellt. Lobenswert fand ich, dass Susanne sich ein paar persische floskeln gemerkt hat und so ihren respekt fuer ihre gastgeber zeigen wollte.
Der zweite tag war dann schon sehr viel mehr my cup of tea!!! Als ich reinkam, sassen dort gestandene maenner in einem interview und erzaehlten von ihrem letzten album, was leider nicht die genehmigung bekommt, im iran veroeffentlicht zu werden. Im hintergrund lief ihre musik, so world music auf hoeherme niveau a la sting… ehrlich gesagt, war ich etwas beschaemt, weil mein zeug doch immer wieder den weg zu den plattenlaeden findet und ich mal wieder hochtalentierte MUSIKER treffe, die ihr wirklich gutes material nicht loswerden. Ich habe ihnen ein paar tips fuer veroeffentlichungen in europa gegeben, wo ich glaube, dass man sich hoffentlich sehr ueber solch kreative kuenstler freuen wird.
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