Tuesday, August 02, 2005

buerokratie - 1. august 2005

Heute morgen frueh war es endlich soweit. Nach zweieinhalb wochen im iran sind wir doch die laestige angelegenheit angegangen: meine iranische wehrdienstbefreiung.
Das ganze habe ich vor ueber einem jahr losgetreten und zwar ueber die iranische botschaft in berlin zehlendorf. Jede menge dokumente wurden verlangt, alles auf farsi und zwar behoerdenslang.
Mein farsi ist zwar ganz okay aber das war doch zwei, drei stufen zu hoch fuer mich, so dass der arme botschaftsangestellte mir mit einem schmunzeln das ganze mehr oder weniger diktiert hat.
Wie auch immer, die rennerei in berlin hat schon genervt aber gegen das , was ich heute erleben durfte, war das der garten eden. Ein hoch auf die deutschen behoerden!!
Um 7 uhr morgens ging es zur hauptmillitaerkaserne (zumindest glaube ich das…) von Teheran. Ich als quasi farsi-analphabet mit meiner mutter, die leider knieprobleme hat und nicht unbedingt fuer die behoerdengaenge geeignet ist… am eingang warden eintrittsmarken verteilt, natuerlich geschlechterspezifisch… aus irgendeinem grunde war bei den maennern tausend mal weniger los als bei den ladies, so dass meine mutter draussen warten musste. Aha. Ich alleine in einer persischen kaserne, von nix ne ahnung…
Es ist eins weitlaeufiges gelaende mit einem riesigen hauptplatz, wo eine wirklich absurd kleine iranische fahne traurig rumflattert. Man klaert mich auf, dass ich zum gebaeude 5 gehen soll. Wo das sein soll, frage ich: na da wo alle hinrennen…
Hmmm… ich laufe also mit einem relativ lauen magen richtung gebaeude 5, wobei ich meine dokumente fast zerquetsche in der hand. Im gebauede 5 sind viele abteilungen, verantwortlich fuer was-weiss-ich… an den waende haengen bilder aus dem krieg: brennende irakische panzer, iranische soldaten im taucheranzug im schlamm (???!!!???) und ein paar bilder von der revolution…
Absolut ahnungslos, wie es jetzt weitergehen soll, wage ich mich in ein zimmer, wo ein gelangweilter millitaer an seiner teetasse schluerft. Ich erklaere ihm, was los ist und er schickt mich rueber zum gegenueberliegenden zimmer. Dieser vorgang wiederholt sich ein paar mal, bis jemand mir sagt, dass der herr drueben mit dem computer bescheid wuesste, was noch getan warden muss.
Nei ihm angekommen, stelle ich meine frage: was sol lich tun???
"sadvfajkgm ahgh,b dfb oiaeghoiaheh" ist ungefaehr die antwort.
koennen sie das bitte nochmal wiederholen, mein farsi ist wirklich nicht so praechtig…
"jedfgasdj jashdfasldf eurtuidkafds asdfgdfg!!!!"
Er hat irgendein verficktes dialekt drauf, das nicht mal seine mutter versteht. Zum glueck erbarmt sich ein soldat, mir zu erzaehlen, dass meine dokument zurueckgeschickt worden sind, weil irgendwas fehlt und zeigt auf irgendein gekritzel (was selbst
Meine familie gemeinsam, nach mehreren durchlaeufen zu deuten wagt.)
Man schickt mich zu frau parwin. Ich kann mir den namen merken, weil ali parwin hier der fussball-allah ist, sozusagen der Kaiser franz von iran. Sie sitzt im raum 6, wo ich einfach hineintrete und mich sofort komisch fuehle. Zuerst sind mir die ganzen frauen im tschador aufgefallen. Wenn batman ein grossraumbuero haette, wuerde es wahrscheinlich so aussehen, kichere ich in mich hinein… ich frage den wachmann nach frau parwin. "geh raus" fluestert er mir zu… ich muss frau parwin sprechen, hoere ich mich sagen. "raus" bellt er zurueck, diesmal wesentlich deutlicher. Erst jetzt fiel der groschen bei mir: ich bin in die frauenabteilung gelaufen, wo an der tuer ein bild von einem freundlichen mann fehlt : "WIR BLEIBEN DRAUSSEN".
Per expresslift ab in die hoelle denke ich mir und suche vollkommen entmutigt das weite.
Draussen sehe ich meine mutter, die mit ihrem kaputten knie ein marathon um die kaserne gelaufen ist. Sie haelt sich tapfer aber ich kenne den blick, der nichts verraten soll.
Ich gehe zu ihr und will nur noch nach hause, mein schwager shahram soll mich gefaelligst begleiten naechstes mal.
Ein taxifahrer bietet uns seine dienste an und fragt ob alles okay gelaufen ist, worauf meine mutter ihm von meiner odyssee erzaehlt. Er hat freunde in der kaserne und sagt, dass er das kurzerhand erledigen kann. Hocherfreut (ich) und etwas skeptisch
(mama) kehren wir zurueck und er schleust mich tatsaechlich durch den ausgang der kaserne rein. Ich halte nach wie vor ein dickes packet mit dokumenten in der hand. Er uebernimmt jetzt die regie, ich sei sein schwager aus Deutschland blablabla…
Die informationstante sagt gelassen, dass meine wehrdienstdokumente wegen unvollstaendigkeit zurueck an das zustaendige postamt geschickt worden sind. Hiermit beginnt eine achterbahnfahrt durch halb Tehran. Von einem gelangweilten postbeamten zum anderen. Waehrend der fahrt erfahre ich, dass der mann ehemaliger ligaspieler von persepolis Teheran ist und mehdi mahdavikia angeblich kennt (ein mann, ein wort, ein taxifahrer, ein woerterbuch)… er bietet mir an, mich zu einer trainingseinheit des Team melli (nationalmannschaft) mitzunehmen. Ich bin mal gepsannt.
Was aber am ende richtig nervt, ist, dass ich die gesamte zeit die
Wehrdienstdokumente mit hatte, bloss gedacht hab, dass die was komplett anderes wollen. Der fahrer war sichtlich genervt. Und ich beschaemt, dass ich meine muttersprache nicht mehr beherrsche…
Das muss sich aendern!

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