Heute morgen frueh um halb sieben wurde ich ziemlich unsanft geweckt. Meine tante meinte nur " steh auf, dicker, wir wollen nach beheshte Zahra, khosro wartet schon im auto ". Zur aufklaerung: khosro ist der leicht authoritaere mann meiner tante parwaneh und "beheshte Zahra" tehrans mega-friedhof.
Am vorabend hatten wir geplant, gemeinsam unsere verwandten zu besuchen, die nicht mehr unter uns weilen.
Also hatte ich ca. 5:33 minuten zeit, mir den schlaf aus dem gesicht zu waschen und in geeignete klamotten zu huepfen, um mir nicht den zorn von khosro zuzuziehen (ich gebe zu, es ensteht hier der eindruck, dass ich ihn nicht mag aber das gegenteil ist der fall, ein bisschen strange ist er aber schon…).
Der vorteil einer fruehen anreise ist, dass die strassen freitags (moslemischer Sonntag) am morgen frei sind und
dass man sich die ganzen anderen trauernden nicht reinziehen muss… es ist schon so deprimierend genug. Mitten durch diesen friedhof fuehrt eine achtspurige strasse, nur damit die dimensionen klar sind.
Im iran-irak krieg und vorher waehrend der revolution sind so viele menschen gestorben, ermordet oder sonstwie ums leben gekommen, dass der friedhof aus allen naehten zu platzen scheint. Sie sind dazu uebergegangen, zwei- und angeblich sogar dreistoeckige graeber auszuheben.
Es ist kaum klar, was einen nervt, bis man nach ein paar minuten den monoton klagenden muezzin bemerkt, der allgegenwaertig erscheint. In stille seiner ahnen zu gedenken ist somit ein ding der unmoeglichkeit. permanentes geheule und wimmern, das ueber lautsprecher einen mantel der trauer ueber diesen ort legt.
Ich persoenlich glaube eh nicht, dass mein vater, grossvater, oma oder onkel dort liegen… wenn ja, dann will ich auf jeden fall eingeaeschert und in alle winde gestreut werden. (Frueher wollte ich immer ueber islae rosario in der naehe von cartagena, kolumbien meine sterblichen reste verstreuen lassen, aber das kaspische meer tuts noch besser und ist nicht so aufwendig fuer die hinterbliebenen - hihihihi…)
Mein onkel hossein liegt im maertyrerteil von beheshte Zahra, in sichtweite des beruechtigten brunnens, wo waehrend des krieges gegen irak rot gefaerbtes wasser das blut der gefallenen soldaten symbolisieren sollte (gott sei dank ist da nur noch wasser drin…). sein BMW war waehrend der revolution in eine strassenschlacht zwischen revolutionaere und den militaers geraten und von mehreren kugeln erfasst worden. Eine der kugel ist ihm direkt im herzen stecken geblieben. Er war sofort tot, ohne jemals fuer irgendeine politische sache gekaempft zu haben…
Das grab meines vaters zu finden, war etwas trickreicher. Als wir ihn letztes jahr begruben, sah das gelaende ganz anderes aus. Soweit das auge reichte, waren zweistoeckige graeber vorbereitet und das ganze erinnerte sehr an einen bienenstock.
Jetzt, 15 monate spaeter, sieht man nur grabsteine… der bienenstock ist ein paar strassen weiter zu finden. Nach ewiger sucherei und ein paar telefonaten hatten wir dann die koordinaten und fanden sein grab. Hier ist es tradition, dass man den grabstein mit wasser und per hand sauber macht und ein paar koranverse gen himmel schickt… das mit dem wasser klappte ganz gut.
Subscribe to:
Post Comments (Atom)

No comments:
Post a Comment